Luxor in Köln
VersaEmerge und The Blackberries
(06.06.2011)
Dass VERSAEMERGE wirklich eine mehr als unterbwertete Band sind wird am
heutigen Montag Abend klar. Eigentlich ist es für die ganze
amerikanische Pop-Punk/Alternative Rock-Szene recht einfach die Hallen
zu füllen. Man muss nur an PARAMORE, ALL TIME LOW, TAKING BACK
SUNDAY oder PANIC! AT THE DISCO denken, welche nahezu mühelos
Hallen voll kriegen. Doch schon MAYDAY PARADE ein paar Wochen eher
spielten vor unerwartet wenig Leuten. VERSAEMERGE trifft es noch
härter und gerade einmal geschätzte 75 Leute sind in der 500
Leute fassenden Konzerthalle des Luxors versammelt.
Doch durch die mehr als geringe Zuschauerzahl ist das sonst
subtropische Luxor mehr als zu ertragen als THE BLACKBERRIES aus
Soligen auf die Bühne steigen. Die Truppe spielt Indie Rock der
typisch deutschen Art. Irgendwo zwischen Indie, Rotz und leichtem Punk
Rock-Einschlag ähnlich wie ITCHY POOPKITZ. Das kann man sich gut
und gerne zwei Songs über mühelos geben. Doch die bewusst
frech und poppig gehaltenen Melodien nerven einen spätestens nach
dem zweiten Refrain des dritten Songs. Allerdings wirken die Ansagen
der Solinger ziemlich sympathisch und so schaffen sie es sich
ordentlichen Beifall zwischen den Songs zu erspielen. Sogar Zugaben
werden geboten bevor man nach knapp 40 Minuten die Bühne
verlässt.
VERSAEMERGE hatten es nie so einfach. Man startete als
08/15-Post-Hardcore-Kapelle mit Sänger. Dieser verließ die
Band und man holte mit Sierra Kustenbeck eine Sängerin dazu und
zeigte sich wesentlich melodischer und songorientiertet auf der zweiten
EP "Perceptions", welche ihnen einen Deal mit Fueled By Ramen
einheimste. Die nächste EP "VersaEmerge" steigerte die Leistung
der Band sogar und Hit folgte auf Hit. Doch nun beginnt das
Bandkaroussel sich zu drehen und Drummer und Gitarrist steigen aus
bevor man das Debütalbum "Fixed At Zero" aufnimmt, welche die Band
von einer ernsteren und spielerischen Seite zeigt. Kurz vor der
Eurotour verlässt dann noch der Bassist die Band. Und trotz all
der Rückschläge kommt das verbleibende Duo auf Tour mit
temporärem Drummer und Bassist.
Doch das Intro lässt aufhorchen. Kustenbeck liegt mehr als einmal neben
dem Ton, doch während des ersten Songs 'Stranger' steigt die
Trefferquote schnell an - doch trotzdem wird heute nicht jeder Ton
perfekt sitzen (irgendwie fällt das bei weiblichem Gesang schneller auf
als bei Männern). Die Band legt sich gut ins Zeug und will den wenigen
Fans eine gute Show bieten. Besonders die flotteren Songs der
"VersaEmerge" EP wie 'Past Praying For' oder 'Moments Between Sleep'
sorgen für Bewegung vor und auf der Bühne.
Allerdings ist es
das Material des Debütwerks "Fixed At Zero" welches deutlich macht,
dass man kein PARAMORE-Klon oder eine weitere Pop Punk-Band ist,
sondern wesentlich verspielter und atmosphärischer wirkt. Natürlich
sind Songs wie 'Fire (Aim Your Arrows High)' oder 'Mindreader' irgendwo
poppig, nur ist man eben weit von zuckersüßen ALL TIME LOW-Melodien
entfernt. Und das spiegelt sich auch im Publikum wieder. Es sind nicht
nur Minderjährige hier, sondern auch Mittzwanziger ohne bunte Shirts
mit Monstern drauf.
Übrigens
VERSAMERGE bieten einen klasse Mix auf dem Debüt und der Vorgänger-EP
und spielen immerhin knapp über eine Stunde (ich ging von maximal 45
Minuten Spielzeit aus). Nach der Zugabe 'Clocks' ist dann aber Schluss
und man kann nur hoffen, dass die Band nicht noch mehr Rückschläge zu
verkraften hat, so dass sie bald wider auf deutschen Bühnen spielt -
und dann hoffentlich vor mindestens doppelt so vielen Fans wie heute.
Zuhause
in die Ferne schweifen mit trendigen Treffpunkten unterwegs in cultigen
Städten.