Coldplay-Man Overboard-Title Fight

Mylo Xyloto - Man Overboard - Shed

Unterwegs-in © WoGi - Fotolia.com(14.11.2011) Warum manche Leute das COLDPLAY-Debüt "Parachutes" verehren bleibt mir bis heute ein Rätsel. Total langweiliger Brit-Pop mit nichtssagenden Songs, bei denen mich nicht mal die von den meisten gelobten Hits wie 'Yellow' oder 'Don't Panic' überzeugen. Dafür ist der Nachfolger "A Rush Of Blood To The Head" Rock/Pop-Kino der Premiumklasse. Auch das vierte Album "Viva La Vida" bot großen Stadion-Pop und war wieder besser als das dritte Werk der Briten um Chris Martin, "X&Y". Also müsste Album Nummer fünf wieder schwächer ausfallen.
Doch das ist schwierig zu sagen. Erneut gib es keine allzu offensichtlichen Hits für meine Ohren. Klar, 'Every Tear Drop Is A Waterfall' ist ein ziemlich guter Song und auch die neue Single 'Paradise' können überzeugen, doch will das Gesamtwerk "Mylo Xyloto" nicht so leicht ins Ohr gehen wie der Vorgänger. Dabei sind sich die beiden Alben vom Stil her gar nicht so unähnlich. Wieder stehen Keyboards und Soundexperimente weit im Vordergrund. Den klassischen "Bandsound" der ersten zwei, vielleicht auch drei, Alben wird man wohl nie wieder aus dem Hause COLDPLAY hören. Dafür wird mittlerweile zu viel Pomp und zu viele Experimente mit Sounds und Instrumenten geboten.
Vielleicht wollen die vier Briten aber auch gerade dies erreichen. Einen möglichst abgedrehten Sound, der eben nicht sofort ins Ohr geht wie auf den Vorgängerwerken, sondern eine Platte mit der sich der Fan auseinandersetzen muss. Und siehe da: Nach einiger Zeit öffnen sich die Songs langsam aber sicher. Leider vermisst man dann immer noch große Songs wie 'Politik', 'In My Place', 'Fix You', 'Death And All His Friends' oder 'Lost'. Zwar ist das Duet 'Princess Of China' mit R'n'B-Goldkehlchen RIHANNA ziemlich nah dran, dennoch erreicht man doch nicht ganz die Klasse der genannten Lieder.

"Mylo Xyloto" ist ein schwieriges Album. Keine Reihe von Ohrwürmern, dafür ein recht interessantes Gesamtwerk, welches sich Zeit nehmen will um gehört und verstanden zu werden. Die Frage ist nur ob der Mainstream, zu dem COLDPLAY zweifelsfrei gehöre, sich die erforderliche Zeit nimmt oder nicht doch eher zu SUNRISE AVENUE greift am Ende.

Man Overboard

Unterwegs in - © dzain - Fotolia.comMit diesem Album müssen die US-Pop Punker MAN OVERBOARD einfach groß rauskommen. Das selbstbetitelte zweite Album bietet dem Fan große Songs, die Pop Punk der Marke BLINK-182 mit modernen Nuancen verziehren.
Alleine für Songs wie 'Voted Most Likely', 'Rare', 'Dead End Dreams' oder 'Something's Weird' würden viele der Kollegen töten. MAN OVERBOARD verstehen es Höhepunkt zu setzen, die einen immer und immer wieder mitreißen können. Es ist eigentlich ein Witz, dass solch eine gute Truppe nur den Support für Bands wie POLAR BEAR CLUB, NEW FOUND GLORY oder nächstes Jahr die UK-Hardcore-Helden YOUR DEMISE geben muss anstatt selber in größeren Clubs Shows zu headlinen.
Dieses Jahr kam wirklich viel gute Pop Punk-Ware auf den Markt, doch besonders MAN OVERBOARD können mit ihrem kantigen und doch poppigen Sound absolut punkten. Auf der gesamten Platte findet man eigentlich keine Schwachstelle, auch wenn das abschließende eher ruhig beginnende 'Atlas' sicherlich nicht zu den besten Tracks der Band gehört. Dafür aber hat man sich im Vergleich zum nicht viel weniger schlechten Debüt "Real Talk" steigern können. Nicht nur die Produktion klingt wesentlich besser, sondern sind nun die Refrains noch herrausstechender als zuvor und man setzt einen Höhepunkt nach dem anderen, also man hat fast schon eine Konstante an großartigen Tracks.
"Man Overboard" ist mit Sicherheit eines der zehn besten Alben dieses Jahres und nur die neue ALL TIME LOW ist ähnlich gut was Pop Punk 2011 angeht. MAN OVERBOARD haben es geschafft in einem sonst eher simpel gestricktem Genre eine höchst explosive und nicht langweilig werdene Platte zu veröffentlichen, welche man sich immer und immer wieder anhören möchte. Ein absolutes Muss für Fans dieser Musik! 

Shed

TITLE FIGHT. Diesen Namen habe ich oft gelesen, also habe ich mir die Truppe auf dem Pukkelpop Festival dieses Jahr angesehen. Ich wusste nich was mich erwarten würde, doch man tourte eher mit Bands wie SET YOUR GOALS also ging ich von Pop Punk aus, wurde aber überrascht. TITLE FIGHT setzen stark auf 90er Jahre Emo der Marke MINERAL oder TEXAS IS THE REASON. Mich hat es kalt gelassen.
Nun, wie es aber so ist, liest man den Bandnamen immer noch und ich habe mich einfach mal getraut, dass aktuelle Album "Shed" anzutesten. Wow! Auf einmal gefällt mir was ich höre. TITLE FIGHT verbinden den Emo der 90er Jahre (also etwas anderes als später MY CHEMICAL ROMANCE oder SILVERSTEIN machen werden) mit modernen Elementen und Punk Rock. Dabei entsteht ein recht mitreißenden Werk, welches nur so vor Räudigkeit strotzt. Gesang gerne mal schief - muss so sein! Die Gitarren brettern auch ordentlich rau aus den Boxen und man bekommt sofort den Eindruck, dass hier nicht viel glatt geschliefen wurde. Mit einer rumpeligen Black Metal-Produktion der frühen 90er hat das zwar nichts zu tun, dennoch klingt die Produktion wesentlich rauer als bei anderen Releases.
Doch gerade dort liegt die Stärke von TITLE FIGHT. Die Musik klingt einfach ehrlich, nichts wird beschönigt (inhaltlich oder auch klangtechnisch) und Songs wie '27' oder 'Shed' können einfach ziemlich viel. Man ist ganz klar besser als ähnliche Bands wie die unterbewerteten BASEMENT aus dem UK oder BALANCE & COMPOSURE.
"Shed" ist ein rundum gelungenes Werk, welches sicherlich nicht jedermanns Geschmack treffen wird, denn dafür klingt man einfach nicht massentauglich genug. Dennoch schaffen es TITLE FIGHT enorm gute Songs zu schreiben, welche man sich gerne öfters zu Gemüte führen mag. Und was diesesn 90er Emo-Retrosound angeht sind TITLE FIGHT auf alle Fälle in der ersten Reihe vorzufinden.

Text © by Sebastian Berning