Steel Panther - The Word Alive - Gallows - Cradle Of Filth

Balls Out - Deceiver - Death Is Birth EP - Evermore Darkly

Unterwegs-in © WoGi - Fotolia.com(16.11.2011) Alleine die Biographie von STEEL PANTHER ist der absolute Hammer. Angeblich in den 1980ern gegründet half man dabei Heavy Metal salonfähig zu machen und verschwand dann einfach spurlos. Doch mit dem 2009er Album "Feel The Steel" knüpfte man nahtlos an ebenso vergessene und nie notierte Erfolge an. 2011 geht die Erfolgsstory der Spinal Tap des 21. Jahrhunderts weiter.

"Balls Out". Der Albumtitel sagt alles. STEEL PANTHER werden niemanden Ratschläge fürs Leben erteilen, höchstens wenn um das Horizontale geht. Dafür liefern die vier Herren erstklassigen Rock irgendwo zwischen CINDERELLA, MOTÖRHEAD, JUDAS PRIEST, MÖTLEY CRÜE, WARRANT und viel zu viel Testosteron. 'Just Like Tiger Woods' erinnert an CINDERELLA zu ihrem Debüt "Night Songs" und ist somit auf jeden Fall einer der besten Songs von "Balls Out". Auch weitere Tracks wie '17 Girls In A Row', 'If You Really Really Love Me' oder 'It Won't Suck Itself' können wirklich überzeugen und bestechen zudem mit absolut überspitzen Lyriks, für welche sich selbst POISON-Sänger Bret Michaels auf dem Debüt seiner Band "Look What The Cat Dragged In" zu schade für gewesen wäre.

Allerdings hätte das zweite Album der verschollenen Rockhelden der 80er ruhig fünf bis acht Minuten kürzer ausfallen können. 47 Minuten STEEL PANTHER sind sicherlich schon etwas hart und auf die letzten Meter etwas anstrengend. Und das obwohl auf mit 'Critter' gegen Ende noch einmal richtig auf den Putz gehauen wird und man das Album genial abgeschlossen hätte, wären da nicht noch zwei weitere Tracks. 'Let Me Cum In' hat man schon mehrmals besser im Verlauf von "Balls Out" gehört und 'Weenie Ride' ist eine nette Pianoballade mit absolut hirnrissigem Text (wie auf dem ganzen Album halt).

Insgesamt ist "Balls Out" ein ordentliches Album geworden mit welchem man besonders dank der Lyrics Spaß haben wird. Doch wie oft findet man eine Komödie witzig? Man sollte nächstes Mal vielleicht etwas mehr Substanz bieten. Für den ein oder anderen Durchgang ist das zweite STEEL PANTHER-Album dennoch gut.

Deceive

Unterwegs in - © dzain - Fotolia.comHui, durch Zufall habe ich mal wieder die erste EP von THE WORD ALIVE, "Empire", rausgekramt und angehört. Gar nicht mal so schlecht wie ich eigentlich dachte. Doch das Debütalbum "Deceiver" haute mich dann völlig von den Socken. Breakdowns sind natürlich ein Muss für die moderne Metalcore-Band. Doch THE WORD ALIVE schaffen es noch gute Songs um den Breakdown zu bauen, welcher mal etwas bombastischer klingen, mal setzt sich Electro/Dubstep durch (allerdings in Maßen und kein Overkill wie bei I SEE STARS) oder auch zwei komplett gesungene Songs, die eher an SAOSIN als WE CAME AS ROMANS erinnern. Etwas komisch ist allerdings der Sound der Bassdrum, klingt diese doch etwas klinisch. Dafür taugen die Songs aber einiges. Alleine der Opener 'The Hounds Of Anubis' berechtigt schon zum Kauf der CD. Brutale Riffs, die sogar wirklich ab und an noch nach Metal klingen, was heute ja nicht mehr all zu selbstverständlich ist, hier und da Keyboards, welche man von DIMMU BORGIR geklaut haben könnte und ein super Refrain, der natürlich klar gesungen wird. Ja, THE WORD ALIVE schaffen es aus altherkömmlichen Zutaten noch ein erfrischendes Debüt in diesem Genre zu veröffentlichen. Und spätestens ab Song Nummer Fünf, '2012', sollte jeder Zweifel beseitigt sein, denn dieser Refrain zählt sicherlich zu den besten was die neuste Garde des Metalcores zu bieten hat.

"Deceiver" ist ein überraschend gutes Album geworden, welches man Fans von WE CAME AS ROMANS, BLESSTHEFALL oder auch WOE, IS ME nur wärmstens empfehlen kann. Denn THE WORD ALIVE schlagen die neusten Releases der genannten Bands mit leichtigkeit. 

Evermore Darkly

CRADLE OF FILTH können es einfach nicht lassen irgendetwas zu veröffentlichen. Nach dem gelungenen letztjährigen Album "Darkly, Darkly Venus Aversa" folgt mit "Evermore Darkly" nun eine neue Mini-CD aus dem Hause Filth.
Neue Songs, andere Versionen von Tracks des letztjährigen Werks, einen Vorgeschmack auf das kommende Orchester-Album und eine DVD mit einer Dokumentation und dem diesjährigen Auftritt auf dem Graspop Metal Meeting machen "Evermore Darkly" aus.
CRADLE OF FILTH bieten dem Fan zwei neue Songs und sonst eigentlich nur andere Versionen von Albumsongs. Dies kann man mager finden, aber dafür können wenigstens die neuen Lieder überzeugen. Düster und romantisch präsentiert sich die Truppe nicht groß anders auf den letzten Outputs. Mit den 'anderen Versionen' hat es eigentlich nicht einmal viel auf sich, handelt sich doch eigentlich fast um die Versionen, die man auf dem Album gehört hat nur eben als Studio-Rehearsals. Große Unterschiede sind nicht auszumachen bis auf den raueren Klang natürlich. Schade, da hätte man sicherlich mehr machen können. Andere EPs der Band konnten ja nun wirklich überzeugen wie "From The Cradle To Enslave", welche ein mehr als geiles MISFITS-Cover und einen noch besseren Titeltrack bot. Nunja, die Zeiten sind halt leider vorbei.
Die DVD ist auch nicht all zu spektakulär. Eine Stunde lang zockt die Band routiniert ihr Liveset runter. Ein guter Mix aus neueren Songs und alten Gassenhauern wie 'From The Cradle To Ensalve' oder 'Her Ghost In The Fog'. Natürlich werden vor allem die älteren Songs vom Publikum abgefeiert. Und obwohl man es eigentlich nur mit einer Bonus-DVD zu tun hat sind Kamera, Schnitt und Sound mehr als amtlich ausgefallen. Angereiert wird die DVD noch mit dem Video zu 'Lilith Immaculate' und einer on the road-Doku, welche sich nur spärlich von anderen Dokus unterscheidet.

Ob man dieses Mini-Album braucht ist nun jedem selber überlassen. Live-DVDs gibt es von der Band mittlerweile schon recht viele und die beiden neuen Stücke kann man sich auch sorglos im iTunes-Store kaufen.

Gallows - Death Is Birth EP

Das war ein Schock, als im Juli dieses Jahres die britische Punk Rock/Hardcore-Wunderband GALLOWS die Trennung von Sänger Frank Carter bekannt gab. Der kleine Rotschopf war so ziemlich das Aushängeschild der Band, der sich bei jeder Liveshow mit dem Mikro die Birne blutig kloppte und die Performance der Truppe unberechenbar machte. Nicht umsonst wurde die Band durch die Bank weg gelobt, egal ob Fans, Presse oder Musiker, so ziemlich jeder lobte, die aggressive, spontane und gefährliche Show der Punks. Nun wo Carter weg ist, singt kein geringerer als Scott Wade, seines Zeichens Gitarrist bei den aufgelösten kanadischen Post-Hardcore-Recken von ALEXISONFIRE.

Schon der erste veröffentliche Track, das 37 Sekunden lange 'True Colours', war ein absolutes Inferno. Die GALLOWS machen genau da weiter wo sie mit "Grey Britain" im Mai 2009 aufhörten. Ein Bastard aus Punk und Hardcore angereichert mit tiefster Wut in eine düstere Atmosphäre gehüllt. Ein noch besseres Beispiel hierfür ist der Opener 'Mondo Chaos', der einen so schnell nicht mehr loslässt. Ein musikalischer Mittelfinger gegen alles, was falsch läuft in der Welt.

Doch die Briten und der füllige Kanadier kopieren sich nicht selbst. Nein, viel mehr klingt man etwas simpler als noch auf "Grey Britain". Doch dies ist absolut nicht negativ gemeint, da so die Aggression der Songs noch besser zur Geltung kommt, da man die vier Tracks nahezu hinrotzt ohne viele Details wie noch auf dem letzten Werk der Gruppe. Hier ertönen keine Streicher (nur einmal kurz eine Orgel beim Opener), hier gibt es einfach nur fünf Jungs, die ihre Instrumente vergewaltigen und eines der aggressivsten Releases 2011 vorlegen.

Ich selber bin mehr als positiv überrascht vom neuen Sänger Wade. Ich bin kein großer Fan von ALEXISONFIRE und finde, dass die beiden GALLOWS-Alben, "Orchestra Of Wolves" und besonders "Grey Britain", zu den besten Alben aller Zeiten gehören. Doch "Death Is Birth" macht mir wirklich Spaß und ist von vorne bis hinten eine mehr als gelungene Angelegenheit.

Wäre "Death Is Birth" ein komplettes Album auf diesem Niveau gewesen, hätte man es hier mit Sicherheit mit dem Album des Jahres zu tun, doch so gebe ich dann doch ASKING ALEXANDRIA den Vortritt und die GALLOWS finden sich auf einem immer noch respektablen zweiten Platz wieder in meinen Jahrescharts. "Death Is Birth" sind knappe acht Minuten Wut, die so ziemlich jeden Fan überzeugen sollten.

Text © by Sebastian Berning